Hello

Hello, how you’re doing today?

Schild 2 besser
Vancouver, BC geradeaus …

“ Nachdem wir Marysville verlassen hatten, passierten wir Mount Vernon, Bellingham, Ferndale und kamen schließlich nach Blaine. Hier wollten wir die Grenze nach Kanada überqueren. Mittlerweile war es 19 Uhr 30 geworden. Im Grunde hatten wir – trotz Labour Day Weekend – auf einen schnellen Grenzübertritt gehofft. Wir dachten, die Kanadier seien diesbezüglich etwas liberaler und schneller bei der Hand. Etwas mehr als zweieinhalb Stunden später wussten wir, dass dies nicht der Fall war. Auch unsere Hoffnung, dass die Kanadier mit ihren amerikanischen Nachbarn „dicke“ sein könnten, trog. Die Einreisewilligen aus dem Lande des »Star Spangled Banner« standen genauso an wie wir, die wir aus dem fernen Europa kamen. In den folgenden zweieinhalb Stunden heizte sich unsere Stimmung hoch. Das brachte uns nicht wirklich weiter, aber es half – zumindest phasenweise – unsere wachsenden Aggressionen abzubauen. Wenigstens die Zeit war auf unserer Seite und irgendwann waren wir dann wirklich dran.

„Tag, wie geht’s denn heute so (O-Ton „Hello, how you’re doing today“)?“

Der Spruch des kanadischen Grenzers schlug wirklich alles. Wenn dich einer nach zweieinhalb Stunden unnötiger Wartezeit so etwas fragt, gibt es durchaus mehrere Möglichkeiten zu antworten. Sollten wir den Burschen mal eben kräftig verhauen? Sollten wir ihm ihm die passenden Antworten geben? Beides war untauglich. Die „Wir verhauen Dich mal eben kräftig“-Lösung hatte gleich zwei entscheidende Nachteile. Der Mann hatte die Figur eines durchtrainierten ca. 190 cm großen Sportlers. Er würde uns mal eben kräftig verhauen, und zwar so, dass uns Hören und Sehen verginge. Darüber hinaus würde er uns danach auch noch einsperren. In irgendein ranziges Loch, Kakalaken und Co inklusive. Kanadisches Frühstück auf Staatskosten – eine ganze schlechte Idee. Ihm eine blöde Antwort zu geben, das fiel auch flach, er könnte uns ja wieder zurückschicken. Wir erinnerten uns an die Drohung seines amerikanischen Kollegen bei der Einreise. Dann finge ja wieder alles von vorne an. Alles, nur das nicht.

„Uns geht es prima, danke“, logen wir ihn dreist an. Wir lachten und freuten uns, zumindest taten wir so. Da freute er sich auch. Wir mussten ihm zu Gute halten, dass er sein Eröffnungsverslein freundlich und keineswegs provokant aufgesagt hatte. Darüber hinaus sah er aus wie Schwiegermuttis Liebling. Eigentlich ein ganz netter Kerl.

„Wo wollen Sie denn hin?“

„Nach Surrey.“

„Wie lange bleiben Sie da?“

„Am Dienstag müssen wir zurück nach Europa.“

Dann fragte er uns noch, ob wir in den uns verbleibenden Tagen noch einmal in die Vereinigten Staaten reisen wollten. Als wir das verneinten, trennte er die US-amerikanischen Dokumente aus unseren Pässen und wünschte uns noch einen angenehmen Abend. Wir waren froh, diese Prozedur endlich überstanden zu haben.“

Auszug aus: R.R. Rumms/ W.W. Alaska – Warum kommen Sie her? Was wollen Sie wirklich hier? Wann gehen Sie wieder? Ein Nordamerikanisches Tagebuch – Weitere Informationen finden Sie auf der Seite zum Buch www.das-nordamerikanische-tagebuch.de. Das eBook ist am 19.03.2016 erschienen und derzeit bei Amazon und IBooks erhältlich.

Schreibe einen Kommentar